Gedanken zu den Olivenabholtagen 2012

Was ziehen ich, was ziehen wir aus den Olivenabholtagen?

Zunächst einmal habe ich das Fest als eine Art Verbildlichung oder Realwerdung der ansonsten virtuellen arteFakt Unternehmung empfunden und gelesen. Alles was arteFakt auch sonst ausmacht begegnete mir hier in echt. Mit all ihren Anbietern, Kunden, Produkten, dem Netzwerk, den kleinteiligen Inseln, der Vielfalt, der Folklore, das Unübersichtliche, Umtriebige, Lebendige. All das was mir gefällt und auch das was mich stört.

In echt und zum anfassen nahe. Kurzum: die Stärken und Schwächen auf einer Wiese versammelt. Sehr interessant also. Vor allem vor dem Hintergrund der bisherigen Arbeit. Das Fest ist arteFakt in einer realen Form. Was denke ich also wenn ich dort hindurch spaziere und das ganze beobachte? Was gefällt mir, was stört mich und was fehlt mir?

Es sind ja schon einige Schlüsse gezogen und einige Haltungen und Ideen entwickelt worden. Ich muss arteFakt über das Fest nicht neu analysieren. Doch reizt es mich meine und unsere Haltungen mit diesen Eindrücken abzugleichen. Auch habe ich versucht noch mal ganz neu und unbelastet zu gucken um meine bisherigen Eindrücke noch mal einer Prüfung zu unterziehen.

Eine unserer grundsätzlichen Ideen zur Zukunft arteFakts ist es den Kern der Unternehmung (bestes Olivenöl/Erzeuger-Verbraucher Beziehungen) auch konzeptionell wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen und somit zu verdeutlichen. So auch den Ansatz das Angebot zu verschlanken (auf Öl und „nahestehende“ Produkte) und dadurch mehr herauszustellen. Auch die Stärken der Unternehmung (so z.B das Wissen über Produktion und um die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge auf dem Olivenölweltmarkt) ansprechend und wirksam zu transportieren. Der aktuelle Auftritt arteFakts erscheint uns etwas unübersichtlich und auch überladen. Komme ich auf die arteFakt Internetseite frage ich mich „worum geht es hier eigentlich?“ Wo ist der Kern? Und so ähnlich erging es mir auch auf dem Fest. Alles ist sympathisch. Die Besucher haben Spaß, es gibt Gespräche und Austausch zwischen unterschiedlichsten Menschen und viele neue Kontakte werden geknüpft. Aber ich kriege diesen Kern nicht zu fassen. Ich vermute dass eine Person, die man ohne Vorwissen auf dem Fest „ausgesetzt“ hätte, nach einiger Zeit zu dem Schluss gekommen wäre es geht hier um das „Essen“ im allgemeinen. Dies ist etwas das ich auch in dem sonstigen Auftritt der Unternehmung wiederfinde. Der besondere Aspekt von Verbraucher/Erzeuger Kampagnen war für mich nicht offensichtlich. Nicht herausgestellt genug. Das Öl erschien mir als ein Angebot von vielem. Nun ist diese Vielfalt und auch das bei mir entstehende Bild auch eine Stärke von arteFakt. Eine Stärke die funktioniert. Doch schaue ich mit anderen Augen auf das Ganze. Mit kritischen Augen. Und auch vor allem aus der Perspektive einer jüngeren Generation.

Wie auf der arteFakt Internetseite und dem sonstigen Auftritt erscheint mir alles ein wenig zu unübersichtlich und überladen. Zu viele verschiedene Angebote über das Öl hinaus.

Warum fühle ich mich so? Bin ich konservativer als meine Eltern? Wird mir alles schnell zu viel? Ansonsten gefällt mir ja die Vielfalt und auch ein Überangebot an Möglichkeiten. Aber gerade in diesem Kontext wünsche ich mir eine Vereinfachung und Klarheit. Ganz einfach weil das Vertrauen erzeugt. Die Kompetenz ist schon da. Aber sie wird mir noch nicht genug vermittelt. Und ein Überangebot von verschiedenen Produkten steht mir da im Wege. Und genau dieses Gefühl hatte ich auch auf den Abholtagen. Interessanteweise wurde dieses Gefühl in Gesprächen mit einzelnen älteren Kunden auch bestätigt.

Grundsätzlich kann man feststellen, dass es auf dem Fest drei Kategorien von Besuchern/Kunden gab:

1. Freunde von arteFakt die sich tief verbunden fühlen mit der Unternehmung und gut informiert sind über das Streben von arteFakt.

2. arteFakt Kunden die das Angebot kennen, schätzen und nutzen, sich aber eher als Kunden definieren und arteFakt einfach als einen Anbieter von Olivenöl und anderen Produkten sehen.

3. Besucher die wenig bis nichts über arteFakt wissen und aus Neugier zu der Veranstaltung kamen.

Die Mehrzahl der Besucher ist der zweiten Gruppe zuzuordnen. Der Altersdurchschnitt aller Besucher ist bei ca. 50 Jahren einzuschätzen.

Wir haben über unsere Fragen-Wand ca. 140 Antworten erhalten und viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Besuchern geführt. Interessant sind diese Ergebnisse im Abgleich mit unserer bisherigen Arbeit. Festzustellen ist natürlich, dass unserer bisherigen Ideen, Feststellungen und Entscheidungen nicht grundsätzlich dem widersprechen was wir auf dem Fest auch von „älteren“ Kunden an Einschätzungen zu arteFakt gehört haben. Damit einher geht die Hoffnung und auch Überzeugung dass neue Ansätze, die arteFakt auch einer jüngeren zugänglich machen, nicht ältere Freunde der Unternehmung ausschließen. Aus den erhaltenen Antworten fallen mir im besonderen diese folgenden auf. Ich habe sie herausgesucht weil sie unserer bisher erarbeiteten Haltung entsprechen, sie meiner Meinung nach den Kern unserer Ansätze und der gesamten Fragestellung treffen und ich denke, dass sie einer jüngeren Generation auch wichtig sind.

„Back to the Roots“

Diese Ausspruch kann natürlich vielerlei bedeuten doch entspricht er anscheinend dem was auch in Gesprächen auf dem Fest herauskam und ich oben schon versucht habe zu skizzieren: was ist der Kern der Unternehmung? Das Öl und die Stärkung der Beziehungen (zum Produkt und zu den Erzeugern). Das sind die Wurzeln. Das ist die Stärke und das ist das Besondere. Das muss weiterverfolgt werden und deckt sich mit den von uns erarbeiteten Konzepten.

„Spezialisieren und nicht verbreitern“

Auch hier ein Hinweis darauf sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Doch muss man sich gar nicht mehr weiter spezialisieren. Das Wissen und die Strukturen sind ja schon da.
„Mehr Transparenz über die Bioprodukte und die konventionellen Lebensmittel“

Ich schätze es so ein, dass junge Kunden, die sich für eine solche Kampagne interessieren, eine hohe Erwartungshaltung an ein solches Produkt haben und „Bio“ voraussetzen um mit einzusteigen. Der Anspruch nach Absicherung durch herkömmliche Bio Zertifikationen ist bei vielen jüngeren Kunden meiner Einschätzung nach sehr vorhanden. Wenn man Bio und Konventionell mischt, dann sollte es eine auffällige Kennzeichnung an allen Produkten geben. Der Wunsch nach Transparenz begegnete mir häufiger in Gesprächen. Die Hinweise darauf, dass es ja Transparenz schon gibt, verfingen sich nur zum Teil. Es ist vielleicht auch eine Frage der Gestaltung und Vermittlung der Inhalte. Doch ist dieser Aspekt in dem jetzigen Auftritt noch ausbaufähig (konzeptionell und in der Vermittlung).

 „Dosenrecycling? Wer volle Dosen wegtragen kann, der kann auch Leere zurückbringen. Nachhaltigkeit weiterverfolgen“

Auch hier ein interessanter Hinweis darauf, dass Kunden an arteFakt höhere Maßstäbe ansetzen als an andere Unternehmen. Etwas das ich auch bei jüngeren Kunden erwarte. Ob es jetzt möglich ist, Dosen zurückzunehmen oder nicht sei dahingestellt. Doch die grundsätzliche Forderung immer das bestmögliche in Sachen Nachhaltigkeit zu machen ist etwas dass auch wir als essentiell für ein zukünftiges arteFakt ausgearbeitet haben. Und das was schon gemacht wird, sollte noch mehr transportiert werden.

„Mehr Transparenz, mehr Information über die Firma“
Ein weiterer Hinweis auf den Wunsch nach Transparenz. Allerdings hier im Zusammenhang mit dem Unternehmen insgesamt. Aus der Sichtweise unseres Arbeitsauftrages (junge Generation) sehe ich es so, dass unsere Generation im Kontext einer Unternehmung wie arteFakt extrem hohe Maßstäbe ansetzt. Motto: „Wie die wollen anders sein als andere? – Dann schauen wir mal genau hin ob sie es auch sind.“

„Gut gemachte Erzeuger und Ausstellerbroschüre mit Kurzporträts am Eingang verkaufen, verteilen oder versenden und im Internet Verlinkung zur Homepage aller Aussteller“
Eine wirklich gute Idee für das Fest! Und auch etwas was unserem Ansatz der Verdeutlichung der Erzeuger entspricht.

 Hier einige weitere Antworten die auch für unsere Arbeit wichtig sind.

 – das Öl verlängert mein Leben!

– Keine Zwischenhändler; direkter Erzeugerkontakt und gemeinsames Streben nach Qualität! Super!

– Die Wirtschaftslogik bzw. Ethik

– dass es Feinschmecker vereint
– dass es lokale Erzeuger und kleine und Familienbetriebe unterstützt
– Geschmackserlebnisse und Genuss

–  ich kann auf die Qualität der Produkte vertrauen

 

Ideen und Gedanken für das nächste Jahr

Was mir gefehlt hat war eine Ausstellung. Ein Zelt voll mit gut gestalteten Infografiken über Öl in allen seinen Aspekten (vom Baum, der Geschichte, bis zu modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem Welthandel, auch Kritik an konventionellen Öl etc…). Dazu viele Fotos von den Erzeugern, der Ernte, dem Anbau. Portraits von jedem einzelnen Bauern. Vielleicht kurze Filme, Karten… all das was den Kern arteFakts ausmacht. Die Auskünfte der letzten Jahre übersetzt in eine kleine Ausstellung. Ich glaube dass soetwas viele interessiert hätte.

Grundsätzlich denke ich, dass es der Veranstaltung gut tun würde das Angebot zu verschlanken und auf Öl (und andere Produkte der Erzeuger) zu reduzieren. Die Kombination mit Musik und Angebote für Kinder würde ich auf jeden fall beibehalten. Der Eindruck eines Festes, also dass es über eine Art „Messe“ hinausgeht und vor allem ein Erlebnis ist das Spaß machen soll tut der Veranstaltung gut.

Das Prinzip der Olivenabholtage übertragen auf eine junge Generation würde eher so aussehen, dass man auf vorhandene Veranstaltungen, auf denen eher ein jüngeres Publikum ist, geht und arteFakt dort vorstellt.

 

 

 

 

 

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Mai 19th, 2012

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